Mit der Privatsphäre in die Offensive – Interview mit Rainald Grebe

Am 12.04.2014 gibt es wieder Klavierkabarett in der Stadthalle Rostock. Wir konnten vorab mit Rainald Grebe natürlich per abhörsicherer Leitung sprechen, über Studentisches und allerlei sonstigen Firlefanz.

Der Mann am Klavier. Einer, der unser flaches Land in seinem Tourplan nicht vergisst, wie es viele andere tun. Der Osten ist ihm nicht fremd. Brandenburg, Brandenburg. Blabla. Rainald Grebe ist mehr. Alle neuen Bundesländer hat er angemessen besungen. Seine Heimat Thüringen, wie auch unsere Sanddorngelee-Küste. Er ist jetzt wieder auf Tour. Mit dem Koffer in der Hand und seinem leeren Zettel. Auf Tour. Wieder am Jetten. Jeden Abend ein Auftritt. Vom 1. bis zum 17. April einmal durch die Republik.

„Als die FDP aus dem Bundestag geflogen ist, war ich bei der Apfelernte. Dachte kurz, du bist doch im Herzen FDP, du alter Ichling und Freiheitsliebhaber, bau sie wieder auf, wenn nur diese gegelten Be-we-eller nicht wären. Dann verlor ich das Interesse und mostete die Boskops.
Das Private sollte mal politisch sein, dann war es nur privat, jetzt soll es das Private nicht mehr geben, heißt es, und das ist dann wieder politisch. Wie krieg ich denn einen Schimmer von Gesellschaft in einen Song, ich bin grad verliebt, in der Türkei ist grad 68, mein Nachbar hat sich getrennt, und kann man sich dazu bewegen?“

Es wird also wieder politisch. Wieder, weil sein letztes Programm doch eher aus der eigenen Privatheit erzählte, was jedoch, betrachte man obiges Zitat, in relativer Weise doch politisch sei. Dabei ist bei Grebe schon das Singen von folgender Zeile aus, wie er vorgibt, einer Ballermann-Hits-CD ein Politicum, tut er es mit einem OP-Mundschutz und als Final einer Kaskade von Volksliedern und Fanchören: „Du hast 3 geile Löcher, mit denen ich gerne Zickezacke spiel. Ja, du hast 3 geile Löcher, aber eines davon quasselt mir zu viel.“

Bisher war seine Kunst, neben tiefsinnigen Stücken mit Melancholiehintergrund, vor Allem infiziert mit Charakter. Nämlich dem eines Ohrwurms. Jochen Malmsheimer laudatierte zur Verleihung des Bayrischen Kabarettpreises 2009 über Grebe: „Seit jenem Tag, als sich im belockten Kopfe des Preisträgers Text und Musik erkannten, sich die Hände reichten, um fürdahin gemeinsam Feines zu erbrühten, ist die Landschaft des deutschen Liedes eine andere und die deutsche Landschaft bekam endlich andere Lieder.“

Nun ist die Auszeichnung durch eine Jury, also Leute, die wissen, wie es geht, es aber nicht selber können, keine Auszeichnung, die jene überragen könnte, welche ein Kollege ausspricht. Spätestens mit der Aussage Georg Schramms in einem Radiointerview, dass Grebe einer jener Kabarettisten sei, die ihm die Angst vor dem Leerbleiben seiner Fußstapfen nehmen würden, adelte den Frechener Klavierkabarettisten sicherlich.

Wir jedenfalls freuen uns auf Albernheiten und gefesselt, von grebesken Stielaugen in den Theaterstuhl gepresst, noch Tage danach auch nur einzelne, vom ihm audiovisuell verzerrte Wörter als Ohrwurm durch die Wohnung zu tragen. Küüüüünstler.
Doch jetzt Ohren gespitzt zum Interview!

Cover: Marcus Sümnick (Auftritt in Rostock 2011)
Interview // Schnitt: Steffen Dürre, Fritz Beise

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