Der_die Konservative hat ein Weltbild. Nicht nur, dass es geschlossen ist, es ist auch das eines zweijährigen Sandkastenrabauken.

Hach, die Konservativen. Sind sie nicht putzig? Ein kleines Kind, dem man die Schippe weggenommen hat: „Hwääääääääää! Das ist meine Eheeäääääää …“ Ein Sturm der Entrüstung in großen Teilen der CDU/CSU. Erika Steinzeit, moment, -bach, zum Beispiel quäkte mal wieder in der virtuellen Sandbox:

Ja, es ist nicht einfach mit der Meinungsfreiheit und den Konservativen. Nicht, dass sie keine hätten – also Freiheiten und Meinungen. Doch kennen sich ja gerade katholische Leerkörper mit Missbrauch besonders gut aus. Fachleute sozusagen. So auch bei der Meinungsfreiheit. Gleichzeitig fragt man sich, wie militante Homoaktivist_innen aussehen und inwiefern sie militant sind. Ich stelle mir gerade ein paar klischeehafte CSD-Gänger_innen vor, die mit regenbogenfarbenen Riesenluftballondildos auf ein paar Konservative einprügeln – und habe sofort gute Laune. Eine zurückgebliebene, prüde Bigotte, die Sex ohne Fortpflanzungswillen für Teufelswerk hält, wird mit einem gigantischen Phallus verhauen – ein tolles Bild.

Schön wär’s auf jeden Fall. Doch wenn irgendjemand militant ist, dann doch wohl eher die Konservativen. Die, die ihre Homophobie, ihr Religionsderivat, ihre scheinbar wahre und richtige Einzigartigkeit und die ständige Betonung ihrer sittlichen Perfektion für eine Meinung halten.

Auch im Saarland – in der deutschen Comedy gerne als Inzestländerei belächelt – glaubt die Ministerpräsidentin, auf die Homoehe werde die Verwandtenehe und die Vielehe folgen. Da denkt man sich:
Ja, und? Mir doch egal. Und wenn der Bauer seine Kuh oder seinen Bullen heiraten will. Solange sie beide ja sagen, steht dem doch nichts im Wege. Der Bulle hat ja den Verlobungsring meist schon in der Nase.

„Homo, Poly, Hetero – egal wen, wie und wie viele: Hauptsache, du liebst.“

Dass Diskriminierung keine Meinung ist, verstehen die Konservativen jedoch nicht so recht. Wollen sie auch nicht. Denn wenn man ihnen auch noch das Förmchen entreißt, mit dem sie sich ihre schützende Sandburg erbaut haben, beschmeißen sie dich wutentbrannt mit Sand. Wie man das als cholerischer Ich-Will-Jetzt-Aber-Wonneproppen halt so macht.

Dass sich der linke Mainstream gegen die Konservativen verschworen zu haben scheint, gibt Hoffnung. Vielleicht ist der Mainstream doch mental, humanistisch und zivilisatorisch viel weiter vom Krippenalter entfernt, als es uns häufig vorkommen mag.

Cover: Corinna Klingler cc by-nc 2.0