Für den Mittwochabend sieht der studentische Wochenplan normalerweise den Besuch der Happy Hour im Studentenkeller vor. Jeden zweiten Mittwoch jedoch gebietet der universitäre Gremiendschungel das Aufsuchen der Sitzung des StudentInnenrats.

So steh ich also jedes Mal – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel – pünktlich 18:40 Uhr vor dem Sitzungssaal der Ulmenstraße und warte auf das Präsidium, auf dass es mir aufschließen möge, um dann aus der Sitzung live zu berichten. Dies sei mir die Voraussetzung, eine Bilanz der letzten Legislatur ziehen zu können.
Der StuRa 13/14 ging gleich in die Vollen. Ein Glück, dass es Veteranen aus dem Vorjahr gab, die das Handwerk kannten, wenn auch nicht immer beherrschten. So war im Oktober ein Bildungsstreik zu organisieren, zu dem möglichst viele Studierende mobilisiert werden mussten. Und mit einem Blick zurück kann durchaus festgehalten werden: Hier wurde sehr gute Arbeit geleistet. Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern. Doch trotz der kurzfristigen Aktion konnten mithilfe einer Vollversammlung sehr viele begeistert werden, aus Greifswald, Rostock und anderen Landesteilen nach Schwerin vor den Landtag zu reisen und für eine bessere und besser finanzierte Bildung zu protestieren. Ob die Demonstration als ein Teilerfolg verbucht werden darf, sollen andere an anderer Stelle beurteilen. Der Protest wird fortgesetzt.
Auch bürokratisch gibt es durchaus Positives vorzuzeigen. Bis auf die Beitrags- und Wahlordnung wurden alle Satzungen und Ordnungen überarbeitet, aktualisiert. Dass bis heute, mit Ausnahme der Geschäfts- und Finanzordnung, keine der Neuerungen in Kraft treten konnte, liege, so heißt es aus Reihen der Mitglieder, an der persönlichen Note des Justiziars Herrn Glöckner, die dieser gerne, entgegen seiner eigentlich nur auf die Überprüfung der Rechtlichkeit zugespitzten Aufgabe, in die Ordnungen einzubringen versuche.
Auch die AStA-ReferentInnen für Finanzen und der Buchhalter haben ganze Arbeit geleistet, bei der Aufarbeitung der liegen gebliebenen Buchführung der letzten Jahre sind sie nun an dem Punkt angelangt, an dem sie sich wieder vorwiegend mit der Gegenwart beschäftigen. Ein Haushalt wurde verabschiedet. Die Abschaffung des Freiversuchs – oder was davon übrig ist – konnte im Senat verhindert werden. Der Kontakt zum Bildungsministerium steigerte sich von kaum existent zu durchaus vorhanden. Also alles nur Friede, Freude, Freiversuch? Mitnichten.
Altbekannte Probleme traten leider auch dieses Jahr auf. Von 15 Mitgliedern sind nur neun mit einer Anwesenheitsziffer ausgestattet, die den Titel regelmäßig – also mehr als die Hälfte der Sitzungen – verdient hätte. Nicht zu schlagen waren in ihrer Anwesenheit Maximilian Hertrich, Eric Gräfe-Loske, Christian Lüth, Tom Lüth, Isabelle Pejic und Martin Warning. Herausstechende Mitglieder, so Präsidiumsstellvertreter Tom, seien Martin, Isabelle, Maximilian, Eric und Lukas Rieck gewesen. Letztere vor allem in der organisatorischen Arbeit außerhalb der Sitzungen. Erstere, so auch meine Erinnerung, in erster Linie verbal, aber auch in sämtlichen Gremien. In Kreisen der AStA- und StuRa-Mitglieder bekam Martin aufgrund seiner zahlreichen Mitgliedschaften in universitären Gremien und Ausschüssen den Spitznamen „Hochwürden“.
Doch nach der Ehrung folgt die Mahnung. Warum war auch dieses Jahr die Beteiligung bei der StuRa-Wahl im Frühling wieder so erstaunlich schlecht? Warum stellen sich Studierende für eine Kandidatur auf, werden gewählt und erscheinen dann in keiner Sitzung, ohne eigenhändig von ihrem Mandat zurückzutreten? Es müssen schließlich nicht alle Übermenschliches leisten. „Es wäre ja schon schön, wenn wenigstens alle kommen würden“, so Tom Lüth. Man kann auch von den StuRa-Mitgliedern nicht erwarten, immer vollends vorbereitet in der Sitzung zu erscheinen. Dass die meisten Redebeiträge von AStA-ReferentInnen, die übrigens nur einmal im Monat anwesend sein sollten, stammen, liegt auf der Hand, da sie meist tiefer in der speziellen Materie stecken. Zusätzliche Qual kommt auf, wenn erst am Tag der Sitzung oder innerhalb dieser Anträge gestellt werden, die ein wenig Information vor dem Beschluss erfordern. So startete eine kleine Gruppe (in erster Linie die häufig Anwesenden) einen Versuch, sowohl die mangelnde Anwesenheit als auch die Schwierigkeit der spontanen Anträge zu thematisieren, und fassten zu viert auf einer Sondersitzung folgenden Beschluss: „Verspätet eingegangene Anträge sind ab sofort nur noch in Gesangsform auf der Sitzung einzubringen, auf Grundlage der Melodie von Beethovens 9. Sinfonie, ansonsten werden diese Anträge auf der Sitzung nicht behandelt.“ Auf der darauffolgenden ordentlichen Sitzung wurde der Beschluss nach langwieriger Diskussion revidiert. Aber das Problem, auf das aufmerksam gemacht werden sollte, wurde dadurch nicht aus der Welt geschafft, geschweige denn angepackt. Manchmal bleibt man doch, trotz respektvoller, fast freundschaftlicher Umgangsformen zwischen den meisten Mitgliedern, im persönlichen Hickhack stecken.

Autor: Fritz Beise tickert nicht immer ganz rund.
Grafik: Steffen Dürre